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Süddeutsche Zeitung Nr. 158/ Seite 49
Gib dem Menschen Limo!
Verkauf von Affenbrot-Getränk hilft Waisenkindern
Von Uli Ertle
München - Schuld ist die Hyäne. Das Tier mit dem wenig
atfraktiven Äußeren soll beim Anblick des eigenen
Spiegelbildes in einem See einen rasenden Zorn entwickelt haben. So
wütend wurde das Vieh, dass es das erstbeste griff, was herumlag,
um es Gott, seinem Schöpfer, an die Rübe zu donnern. Das
tierische Wurfgeschoss war ein junger Baum, der den Kopf des Herrn aber
verfehlte, mit den Ästen zuvorderst zurück zur Erde fiel und
dort stecken blieb.
Mit dieser Legende erklären sich Afrikaner seit Generationen das
seltsame Aussehen des Baobab Baumes, dessen wuchtige Äste meist
spärlich belaubt sind und in der Tat eher an Wurzelwerk als an
Zweige erinnern. Die Frucht des Baumes, eine olivgrüne, etwa 40
Zentimeter lange Mischung aus Salatgurke und Kürbis, ernährt
seit Jahrlausenden nicht nur Affen - daher der Name Affenbrotbaum -,
sondern auch Menschen. Die Kerne sind äußerst reich an
Vitamin C, Calcium und Eisen und werden in Pulverform in vielen
afrikanischen Gerichten als schmackhafte Beigabe verwendet. Jene Frucht
könnte bald auch in Deutschland zu Ehren kommen. Genauer gesagt: in
München. In Form einer fair gehandelten, biologischen und
schmackhaften Limonade.
Darf, ich vorstellen? Das ist meine Neue, die Baola. Die blauen Augen
von Andreas Triebel blitzen schelmisch, ein Lächeln, umspielt seine
Mundwinkel. Statt mit einer reizenden Dame kommt der Münchener mit
mehreren Flaschen Limonade aus seiner Küche Limo aus der Frucht des
Baobab-Baumes, in drei Geschmacksrichtungen: Kirsche, Mango und Natur.
Triebel hat die Limonade selbst gemischt, ein gutes Jahr lang hat er
getestet, verworfen und neu angefangen. Nun ist sie fertig,
verkaufsfertig.
Was andere Menschen vielleicht als Durchbruch zu eigenem Wohlstand
feiern würden, ist für Triebel in erster Linie ein Schritt auf
seinem Weg. Und der führt, so hofft er, "raus aus der
marktwirtschaftlichen Renditefalle" und hin zu einem bewussten,
verantwortlichen Umgang mit natürlichen.Ressourcen und den
Mitmenschen. Social Business, soziales Handels im Geschäftsleben,
ist seine Maxime. "Ich will nicht den Gewinn maximieren, sondern den
nachhaltigen Nutzen für alle. Spricht da ein Gutmensch, der seine
Gesinnung wie eine Monstranz vor sich her trägt? Mitnichten.
Triebel schüttelt energisch den Kopf, die blonden Rastalocken
fliegen. Er will sich weder beweihräuchern, noch als Vorbild
instrumentalisieren lassen. Der junge Familienvater ist lediglich einer,
der nicht lange zögert, wenn er für sich etwas als richtig
erkannt hat. Einer der handelt. Und der es mit dieser Einstellung zu
beachtlichen Erfolgen gebracht hat.
"Ich war 1994 zum ersten Mal in Kenia erzählt Triebel, der damals
einen lukrativen Job als Landschaftsgärtner inne hatte. Ich wollte
aber raus aus dem goldenen Käfig. Ich wollte was tun, was mich
wirklich befriedigt." Er kündigte, fuhr einfach los. Seine
Weltreise kam in Kenia ins Stocken, hier hatte er das Gefühl
angekommen zu sein. "Ich habe mit Straßenkindern gearbeitet, hab
meine ersten Charity-Sachen gemacht. Er kaufte von dem restlichen Geld
ein kleines Grundstück bei Mombasa, baute darauf aber kein
Ferienhäuschen sondern ein Waisenhaus. Das Angebot war bitter
nötig, sein Projekt wurde größer und größer.
Heute ist Triebel Vorsitzender des Baobab: Family e.V., einem Verein,
der sich um Waisenkinder und von. Aids betroffene Familien"
Auf Tollwood wird das neue Getränk getestet.
in Kenia kümmert (www.basobu.de). Der Verein hat
130 Mitgliederund für 90 Kinder Patenschaften vermittelt. "Durch
die Arbeit dort unten habe ich einen Einblick in die wirklich
notwendigen Dinge bekommen." So entstand auch die Idee zu Baola.
Ich wollte den Menschen Hilfe, zur Selbsthilfe anbieten sagt er, und
hat sich vor Ort um Baobab-Lieferanten gekümmert. Von ihnen bezieht
er seinen Rohstoff und hofft, langfristig ein Netz von Baobab Bauern zu
etablieren. Vor kurzem gründete er mit seiner Frau Halima, einer
Kenianerin, eine gemeinnützige GmbH, deren erstes Projekt die Baola
ist. Hergestellt wird das Fruchtgetränk der Firma Perger am
Ammersee. Dort wird der Sud angesetzt und abgefüllt. Andere
würden nun eine teure Kick- Off Veranstaltung feiern. Triebel war
der Durchbruch einen Konzertabend im Backstage wert. Er lud befreundete
Bands aus der Reggae-Szene ein, die ohne Zögern für den guten
Zweck auf die Bühne gingen. "Nun wird es darum gehen, die Baola zu
etablieren", sagt TriebeI. Er will Bioläden ansprechen, kleinere
Kneipen oder Cafes. Und seit einer Wochen gibt es die Baola an TriebeIs
Fairänderbar auf dem Sommer-Tollwood in München.
Andreas Triebel und seine Frau Halima kümmern sich um Waisenkinder
und Aids-Kranke in Kenia - und verkaufen für sie Limonade.